Da fragt
man sich doch:
Wie kann
Jesus so etwas zu Maria von Magdala sagen? Wie kann er sie auffordern,
ihn loszulassen? Ihn, den sie für immer verloren zu haben schien, ihn,
der plötzlich wieder da war? Tot und nun wieder lebendig! Alles schien
verloren doch jetzt steht er plötzlich wieder vor ihr! Auch wenn sein
Leib sich verändert hat – die Augen des Herzens nehmen war, was den
Augen des Leibes verborgen bleibt.
Da fragt
man:
Wie kann Jesus so etwas verlangen – von mir? Wo es doch heißt: „An ihm
halte ich fest mit der ganzen Kraft meiner Seele“?
Doch was
bedeutet „festhalten“, was „loslassen“?
Nicht nur
einmal begegnet uns dieses Thema in der Heiligen Schrift!
Im Buch
Genesis beispielsweise fordert Gott Jakob nach einem Kampf, der die
ganze Nacht dauert, auf: „Lass mich los“ (Gen 32,27)
Loslassen?
Was sollen wir loslassen?
Jeder von uns war schon einmal gezwungen etwas loszulassen: Einen
wertvollen Gegenstand, einen Plan, einen Wunsch oder – was am
schmerzhaftesten ist – eine Menschen!
Doch hier geht es um etwas anderes!
"Lass
los“, sagt Gott zu Jakob; „Halte mich nicht fest“, sagt Jesus zu Maria
von Magdala!
Erst wenn
ich meine falschen Vorstellungen von Gott loslasse, wenn ich nicht mehr
versuche ihn zu packen, ihn mir nach meinen Wünschen zurechtzubiegen,
erst wenn ich Gott Gott sein lasse – dann geschieht Veränderung!
„Lass mich
los“ – Dann werde ich dich segnen und dich zum Herrscher über ein großes
Volk machen!
„Halte mich nicht fest“ – Dann geh’ und verkünde deinen Brüdern, dass
ich auferstanden bin!
Doch
es eröffnet sich noch ein anderer Zugang zum „Festhalten“ - anhand der
Stelle aus dem Evangelium, in der Petrus versucht, über das Wasser zu
Jesus zu kommen. Petrus droht beinahe zu versinken, aber „Jesus streckte
sofort die Hand aus und ergriff ihn“ (Matthäus 14,31)!
Dort wo
ich nicht mehr klammere, wo ich meine Pläne und Vorstellungen los lasse,
werde ich frei für das Wirken Gottes.
Vielleicht
kann eine Botschaft des Auferstandenen für das heurige Osterfest für uns
lauten:
HALTE MICH
NICHT FEST – DANN WERDE ICH DICH HALTEN!