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Weihnachts-Grußkarten
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18. Dezember 2011 (4. Adventsonntag)
Was ist die Schechina Gottes in der jüdischen
Theologie? (Teil 3/Ende)
Schekhîna-Theologie im Judentum
Schekhîna-Theologie der
vorexilischen Zeit
Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer Mitte wohnen. (Ex.
25,8)
Die
alttestamentliche Schekhîna-Theologie wurde im Laufe der Geschichte vielfach
umgeformt. In ihrem Entwicklungsprozess unterscheidet Janowski drei wichtige
Dimensionen: einen räumlichen (Tempel\ Zion), einen personalen
(Israel\ Volk Gottes) und einen zeitlichen (Zukunft\ Erfüllung der
Zeit).
Der Ausgangpunkt für die Schekhîna-Theologie in der vorexilischen Zeit ist
der konkrete Ort, der Tempel. In der jüdischen Tradition stoßen wir oft auf
die Bezeichnung Tempeltheologie, bzw. Jerusalemer Tempeltheologie. Ihre
Grundkonzeption besteht darin, dass es einen konkreten Ort gibt, in dem die
himmlischen und irdischen Bereiche ineinander übergehen und wo der
heilsbringende Gott „Wohnung nimmt“.
Schekhîna-Theologie der exilischen Zeit
Sie legten an dein Heiligtum Feuer, entweihten die Wohnung deines
Namens bis auf den Grund. (Ps. 74,7)
Ich werde mitten unter den Israeliten wohnen und ihnen Gott sein.
(Ex. 29,45)
Aufgrund der Zerstörung des Tempels zeigt sich die Schekhîna-Theologie in
einer neuen, Volk Gottes bezogenen, ekklesiologischen Form. Statt im Tempel
nimmt JHWH Wohnung unter seinem Volk. Die Schekhîna-Theologie gewinnt in der
Exilszeit eine erstaunliche Bedeutung: trotz der Tempelzerstörung hat Gott
Israel nicht verlassen, sondern ist ihr Mitwohner, Mitwanderer, ein mit
ihnen Leidender, Trostbedürftiger und Schicksalsgefährte geworden.
Schekhîna-Theologie der persischen und
hellenistischen Zeit
(…) denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte - Spruch des Herrn.
(Sach. 2,14f)
Wie Janowski bemerkt, macht die Schekhîna in der persischen Zeit wieder
einen weiteren Schritt. JHWH kehrt zum Zion zurück und nimmt die Wohnung „in
der Mitte Jerusalems“. Es handelt sich jetzt um eine neue Theologie der
Stadt, die eine
Kombination der tempelorientierten Schekhîna-Theologie der vorexilischen
Zeit mit der israelorientierten Schekhîna-Theologie der Exilszeit bildet.
Im neuen Jerusalem wird JHWHs Herrlichkeit nicht mehr exklusiv an den Zion\
Tempel gebunden, sondern seinen Bewohnern unmittelbar und immer sichtbar
sein.
In der hellenistischen Zeit wird die Schekhîna-Theologie weiter in die
Weisheitstheologie umgeformt. Die Weisheit als göttliche Schekhîna soll im
Jakob Wohnung nehmen:
Die Weisheit (…) öffnet ihren Mund in der Versammlung Gottes. (…) Bei ihnen
allen suchte ich einen Ort der Ruhe, ein Volk, in dessen Land ich wohnen
könnte. (…) Er sprach: In Jakob sollst du wohnen. (Sir. 24, 1-2; 7-8).

11. Dezember 2011 (3. Adventsonntag)
Was ist die Schechina Gottes in der jüdischen
Theologie? (Teil 2)
Hauptvorstellung von der Schekhina in der frühen
rabbinischen Literatur: immanû šeḵîna
Bernd
Janowski vertritt die These, dass die ägyptische Idee der Einwohnung Gottes
unter den Menschen sich am deutlichsten durch den Begriff descensio, d.h.
der Herabkunft fassen lässt. Ein rabbinisches Hohelied beschreibt das
Hinauf- und Hinabsteigen der Schekhîna –
eine faszinierende Erfassung von dem Weg, den sie „ging“ um sich von
den Menschen zuerst zurückzuziehen und sich ihnen dann wieder zuzuneigen:
Ursprünglich war die Schechinah
(…) auf Erden. Als Adam sündigte, erhob sie sich bis zum nächsten
Himmelsgewölbe. Als Kain sündigte, erhob sie sich zum zweiten empor. Als die
Generation von Enoch sündigte, erhob sie sich zum dritten. Als die
Generation der Sintflut sündigte, erhob sie sich zum vierten. Als die
Generation der Zerstreuung der Nationen (die versuchten, den Turm zu Babel
zu erreichten) sündigte, erhob sie sich zum fünften Himmelsgewölbe empor.
Als die Menschen von Sodom sündigten, erhob sie sich zum sechsten. Die
Schlechtigkeit der Ägypter zur Zeit Abrahams veranlasste die Schechinah,
sich bis zum siebten und den entferntesten Himmelsgewölbe zurückzuziehen.
Dem wirkte der Gerechte entgegen. Abraham brachte die Schechinah zum
sechsten Himmelsgewölbe herunter, Isaak brachte sie zu fünften, Jakob
brachte sie zum vierten, (…). Moses brachte sie vom Himmel auf die Erde
zurück. Seit dieser Zeit wird die Schekhîna zur immanû šeḵîna - „mit uns ist
die Schekhîna“.
Wenn die Rabbinen vom
Mit-Seienden, Mit-Gehenden und Mit-Leidenden Gott Israels sprechen, lassen
sich alle diese Formulierungen in der Bezeichnung immanû šeḵîna
zusammenfassen.
Im Anschluß an den sich in Jes
7,14 findenden „Zeichen-Namen“ – immanû-El (mit uns ist Gott), reden die
Rabbinen von immanû-Schekhina (mit uns ist die Schekhîna).
Die wichtigste Dimension der
immanû šeḵîna ist ihre Begleitung Israels und Gegenwart in seinem Leid, in
der Not, in der Verbannung, in der Verknechtung und in den dunkelsten
Stunden der exilischen Zeit. Selbst durch die Sünde Israels lässt sich die
schekhinatische Gegenwart Gottes nicht vertreiben.
Immer wenn die Israeliten
geknechtet wurden, wurde die Schekhina – wenn man so kühn reden darf –
zusammen mit ihnen geknechtet.
Das ist die Kernaussage vom Wesen
und von der Bedeutung immanû šeḵîna im Glauben und in der Theologie des
Judentums. Es erinnert an die Worte des Psalmisten: Wenn mich auch Vater und
Mutter verlassen, der Herr nimmt mich auf. (Ps. 27,10).
FORTSETZUNG
FOLGT

4. Dezember 2011 (2. Adventsonntag)
Was ist die Schechina Gottes in der jüdischen
Theologie? (Teil 1)
Gleich
einem König, dessen Sohn in die Fremde ging.
Und er [der König] zog hinter ihm aus und stand ihm bei.
Er [der Sohn] ging in ein anderes Land.
Und er zog hinter ihm aus und stand ihm bei.
So: Als Israel nach Ägypten hinabstieg,
stieg die Schekhîna mit ihnen hinab
(Gleichnis vom begleiteten Sohn;
MekhY zu Ex 15,2 (128), in: Ernst H. (1994): Die Schekhîna in rabbinischen
Gleichnissen, JudChr 14, Bern, 129.)
Wenn das jüdische Volk von der
Einwohnung Gottes in Israel redet, verwendet es oft den Begriff Schekhîna.
Das Wort leitet sich vom Hebräischen ab und ist eine Abstraktform der Wurzel
škn, was: wohnen, verweilen, lagern, niederlassen, bedeutet.
Demnach ist die Schekhîna: Niederlassung, Herabkunft, Lagerung,
Wohnung, Einwohnung, wobei immer „Gottes“ zu ergänzen ist. Mit diesem
Ausdruck wird ein Aspekt der Inhabitation Gottes in der Welt und seiner
Gegenwart unter dem ausgewählten Volk Israel geäußert.
Eine klassische Definition von
Schekhîna formuliert Clemens Thoma: Mit Schekhîna ist (…) die Einwohnung
Gottes im Volk Israel und in seinen Institutionen gemeint, d. h. die <praesentia
Dei specialis> in Heiligtum und Gemeinschaft und die heilvolle Begleitung
Israels durch die Geschichtszeit hindurch bis zur endzeitlichen Fülle von
seiten des sich herabneigenden Gottes Israels.
Auf eine andere Auffassung stoßen
wir bei Franz Rosenzweig, der Schekhîna mit Niederlassung Gottes auf die
Menschen[4]
übersetzt oder bei Hanspeter Ernst, der schreibt: Wer von der Schekhîna –
abgeleitet von <wohnen> – spricht, der meint Gott, wie er in seinem Volke
anwesend ist. Es geht also um die Immanenz Gottes. Es geht um den Gott, der
sein Volk begleitet und es zum Ziele führt.
Der Terminus Schekhîna erscheint
zum ersten Mal im frühen 1. Jh. v. Chr., in einem jüdischen Gebet: Zum Zion
kommt der Erlöser. Sein ältester Beleg ist der sog.
Tempelweihspruch in 1 Kön 8, 12: Damals sagte Salomo: Der Herr hat die Sonne
an den Himmel gesetzt; er selbst wollte im Dunkel wohnen.
Seine tiefste Bedeutung gewinnt
der Ausdruck Schekhîna erst nach der Tempelzerstörung (70 n. Chr.) indem er
die Fortdauer der Bundes-Treue Gottes bzw. der Erwählung Israels in der
tempellosen Exilszeit.
besagt.
Die Schekhîna-Theologie stützt
sich auf viele alttestamentliche Aussagen, die die Anwesenheit Gottes
unter den Menschen, besonders in seiner kritischen Lage, bezeugen. Nach
Ernst wird mit dem Ausdruck Schekhîna eine zweifache Daseinsweise
gedeutet: sowohl eine ruhende als auch eine sich bewegende Wirkungsweise
Gottes: In der Tat ist šeḵîna sowohl mit Verben des Ruhens und der
Bewegung verbunden.
Goldberg unterscheidet
zwischen Gegenwarts- und Erscheinungs-Schekhîna. Während es sich in der
Gegenwarts-Schekhîna um einen ruhenden Zustand Gottes handelt, besagt
die Erscheinungs-Schekhîna die Bewegung des huldvollen Gottes auf Erden,
inmitten des jüdischen Volkes.
Alle Vorstellungen von der
Schekhîna versuchen also die Erscheinungen und die Gegenwartweisen des
einen Gottes zu erklären.
FORTSETZUNG
FOLGT

27. November 2011 (1. Adventsonntag)
„Meine Seele
wartet auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen,
mehr als die Wächter auf den Morgen soll Israel harren auf den Herrn!“
(Psalm 130,6)
Die
Erwartung der Ankunft Gottes, die sogenannte messianische Hoffnung,
wurzelt in der jüdischen Religiosität und wird zu ihrer eigentlichen
Faszination. Die unterschiedlichen Vorstellungen über die Art ihrer
Verwirklichung bilden zwar keine einheitliche „Lehre“, sind aber ein Abdruck
der Ursehnsucht des Menschen nach Heil und dem Kommen des „Reiches der
Herrlichkeit“.
Es gab verschiedene Typen der
Messiasvorstellung:
„Gottes Gesalbter“, „Herrscher und Richter“, „der, der die Niedrigkeit
Israels aufhebt“, „Menschensohn, der die große Umkehr von allen bewirkt“,
„Gründer des Reiches der Herrlichkeit“, „Befreier des Armen und
deklassierten Volkes“, usw.
Eine starke messianische Erwartung
entwickelte sich bei den Pharisäern, die sowohl mit der Fremdherrschaft der
Römer wie auch mit den eigenen Königen nicht einverstanden waren. Ihre
Hoffnung auf das Kommen der „Herrschaft Gottes“ schöpften sie aus der
Schrift, besonders aus der Prophetenbüchern Jeremias und Jesajas; sowie auch
aus dem 2. Buch Samuel, in welchem wir über die Verheißung an David und den
Fortbestand seines Hauses und Königtums „auf Ewig“, lesen können (2 Sam 7).
Der „Spross Davids“ werde sein Volk aus der Knechtschaft befreien - diese
Auffassung war so volkstümlich, dass sich die Bezeichnung „Sohn Davids“ bald
zu einer Messiasbezeichnung entwickelte.
Der Advent (von lat. „adventus“ –
Ankunft) als vierwöchige Zeit der Vorbereitung auf das Fest des Kommens
unseres Erlösers Jesus Christus, ist die Zeit der Erinnerung an den Alten
Bund – als auch die Verheißung Gottes auf das Kommen des Herrn. Es ist die
Zeit der Erwartung auf den „Glanz und die Herrlichkeit“ (doxa)
Gottes, die in einem kleinen, wehrlosen Kind erscheinen wird.
Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen
gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln,
für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land.
In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in
Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere
Gerechtigkeit.
(Jer 23,5-6)
Seid wachsam
...
Seht euch
also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da
ist.
Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu
gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine
bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein. Seid
also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am
Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!
(Mk 13,33-37)
Tageslesungen:
Jesaja 63,16b-17.19b.64,2b-7; 1 Korinther
1,3-9
Evangelium: Markus 13,33-37
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