Nicht vom Brot allein lebt der Mensch

Ja, nicht vom Brot allein,
aber auch vom Brot lebt der Mensch, auch in der Fastenzeit kann
keiner von uns ganz auf Essen verzichten. Wir brauchen das Brot aber
unser Augenmerk soll sich vom Brot allein auf Anderes wenden; auf
Werke, von denen wir Menschen auch, wie vom Brot, Kraft für unser
Leben schöpfen.
Die Regel Benedikts,
obwohl vor vielen Jahrhunderten geschrieben, ist heute aktueller
denn je. Benedikt stellt am Anfang des Kapitels über die Fastenzeit
fest: „der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der
Fastenzeit“ (RB 49,1), gleich aber im nächsten Satz fügt er hinzu:
„dazu haben aber nur wenige die Kraft (Mut)“ (RB 49,2). In seinem
sehr humanen Zugang zu den Menschen weiß er um seine Schwächen,
daher ermuntert er seine Mönche: „dass wir wenigstens in diesen
Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten und
gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten
tilgen“ (RB 49,2-3).
Nicht vom Brot allein lebt
der Mensch. Benedikt spricht hier auch nicht gleich vom Hungern und
Fasten. Er zeigt einen Weg, den Weg des achtsamen Umgangs mit dem
eigenen Leben; das soll in Lauterkeit, also auch mit Begeisterung
und Freude geschehen. Der achtsame Umgang mit dem Leben, mit der
Natur ist heute aktueller denn je. Natürlich betrifft es vielleicht
vor allem die große Politik durch internationale Abkommen und
Sicherheiten, aber die Umsetzung kann auch in unserem kleinen Leben
geschehen. Dazu lädt uns Benedikt in der Fastenzeit besonders ein.
Nicht vom Brot allein lebt
der Mensch, also nicht nur die Befriedigung der Bedürfnisse macht
ihn glücklich. Er soll durch bestimmte Übungen/Verhaltensweisen
lernen, diese Bedürfnisse zu steuern, zu unterscheiden zwischen viel
– genug – wenig – zu wenig. Benedikt gibt uns die Instrumente, wie
wir diesen Zustand der reflektierten Achtsamkeit erreichen können.
Er nennt dazu Gebet, Lesung der Hl. Schriften, Reue des Herzens und
Verzicht (vgl RB 49,4). Wichtig ist hier, dass jeder über das ihm
zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen in der Freude
des Hl. Geistes Gott ein wenig darbringt. Es geht also nicht um ein
Muß sondern um die Entscheidung, die reife Entscheidung des
Menschen, aus eigenen Willen etwas zu tun um Gott näher zu kommen.
Diese Haltung kann nur jener erreichen der achtsam mit sich, mit
eigenen Bedürfnissen und mit den Ressourcen der Umwelt umgeht.
Wozu soll der Mönch (der
Mensch) das tun? Um geistliche Freude zu erreichen (vgl RB 49,7) und
so fähig zu werden das heilige Osterfest zu feiern (vgl RB 49,7).
Nicht vom Brot allein lebt
der Mensch.